Bertil Vallien

Bertil Valliens sandgestrahltes Glas-Boot bringt einige Elemente des Unterbewusstseins zutage. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, dieses zu analysieren, dann wir das Boot vor Ihren Augen rutschig werden und aus Ihren Händen entgleiten.

Diese stillen, schlanken Boote gleiten seit Jahren mit ihren Nachrichten durch die Weltmeere und schaffen es, Leute zum Staunen zu bringen.

Beladen mit gefrorenen Symbolen und Geheimnissen, sprechen sie zu uns existenziell an.

Jeder Tag beginnt mit einem kurzen Sprung in den Fluss. Im Winter schneidet er sogar ein Loch in das Eis und die Eiseskälte bringt die Endorphine zum Erwachen.

„So fühlt sich jeder Morgen wie ein Neustart an“, berichtet Bertil Vallien.

Existenzfragen wurden frühzeitig in ihm erweckt. Er ist der Zweitälteste von sieben Kindern und ihr Heim in Sollentuna, wurde von Gottes Willen und Disziplin bestimmt. Sein Vater war ein sehr strenger Nonkonformist.

Jeder musste im Einklang mit der Bibel leben. Nach den Geboten.

„Ich bin mir sicher, dass er nur das Beste für uns Kinder wollte, aber ich fühlte mich ständig schuldig. Da war die Angst was mit Jungen passen würden, die das taten, was ich tat.“

Sein artistisches Talent brachte im frühzeitig viel Freude. Er liebte die Pferde und das Reiten. Es gab nur Mädchen in den Ställen. Er malte wie besessen Pferde.

Es gibt keine Erklärung

Seine Skulpturen sind frequentiert Pferde. Wofür stehen diese?

Was bedeuten diese? Er möchte, dass wir die Symbole nicht zu angestrengt analysieren. Es gibt ein Word, dass es nicht erlaubt sich selber zu erklären. Es wird einfach brechen, wenn man es versucht. Er vergleicht es mit Musik.

„Was bringt dich zum Weinen, wenn du ein spezielles Lied hörst? Es kann nicht erklärt werden. Die Musik ergreift von deinem Herzen Besitz.

Es wird nicht weiter ergründet.“

Er fordert uns auf, seiner Kunst auf die gleiche Art und Weise zu zuhören. Nicht intellektuell.

In einer seiner Skulpturen, namens Högspänning (Hochspannung) befindet sich ein massiver Zylinder, welcher durch eine weiße Feder durchbrochen wird. Der Zylinder präsentiert Stärke und Bodenständigkeit. Die Feder zeigt die Gefühle.

„Gedichte, wahre Gefühle und Eingebungen können Gründe und Stärke zerbrechen lassen.“

Manchmal benutzt Bertil Vallien seine linke Hand lieber als seine rechte.

Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, dass seine Zeichnungen nicht zur Routine werden. Es ist nicht immer gut, geschickt zu sein. Durch die Benutzung seiner linken Hand löst er neue Kreativität aus.

In den späten 40zigern narbeitete Beril als Laufbusche in einem Fischladen. Er war ca. 12 Jahre alt. Einer seiner Kunden war der exzentrische Künstler Bo Notinit, welcher große Neugier in Bertil erweckte. Er entsprach niemanden, den Bertil kannte.

Sein Garden war verwildert, das Haus war unordentlich und die Möbel hatten schon bessere Zeiten gesehen. Es gab haufenweise Bücher.

Manchmal ging Herr Notini raus, um Raben zu schießen, welche er später kochen und essen würde.

Das möchte ich später werden

„Es war eine vollkommen neue Welt für mich“, erklärt Bertil. „Ich stelle mir vor, dass ich so auch werden möchte.“

In seinen Gedanken hatte er sich bereits in der Zukunft gesehen. Irgendwie genauso. Manchmal verbrachte Bertil Zeit in Bos Haus. Er malte und ließ sich ermutigen. Nicht jedermann in der Welt war mit Schuldgefühlen beladen. Es gab zum strengen religiösen Leben Alternativen. Freiheit. Die Realität veranlasste Bertil sein Zuhause frühzeitig, im Alter von knapp 15 Jahren, zu verlassen.

Es gab mehrere Mentoren, welche eine Art Werkzeug in Bertil Vallines Entwicklung als Künstler waren.

Einer von diesen Mentoren ist Stig Lindberg, welcher leitender Professor in Keramik an der Konstfack- Schule (eine schwedische Schule für Kunst, Handwerk und Design) war.

„Er war ein toller Lehrer! Er war unglaublich sprachgewandt und konnte konstruktive Kritik geben. Manchmal etwas gemein, aber meistens auf lustige Art und Weise.“

Stig Lindberg gab Bertil Vallien auch zu verstehen, dass es für einen Künstler wichtig ist, in einem weit gefächerten Bereich für die Industrie arbeiten zu können. Beides zu sein, ein Künstler und ein Designer.

„Du kannst experimentieren, aber zur gleichen Zeit musst du verstehen, wie ein nicht tropfender Teekessel aussehen soll.“

Der nächste Mentor war Erik Höglund von Kosta Boda. Bertil machte dort ein Praktikum und durfte anschließend bleiben. Höglund hatte seine Qualitäten erkannt. Gemäß den Fakten bekam Bertil sogar seine eigene Glasarbeit, Åfors, welche ein Teil der Kosta Boda Gruppe war.

Årfors wurde jedoch nicht weitergeführt. Orrefors und Kosta Boda wurden ein Unternehmen.

Vor einigen Jahren öffnete sich dann ein neuer Weg für Bertil Vallien. Dieser erschien wie schwarzer Schlamm. Er sollte einige seiner Skulpturen als eine Landschaft, eine Stadt und ein Schiff entwerfen.

Allerdings kam das geschmolzene Glas, welches eigentlich ein leichtes Eisblau haben sollte, als schmuddeliges Asphalt-Schwarz, zum Vorschein.

Ein Monat harter Arbeit war einfach vergeudet. Bertil Vallien war wütend und enttäuscht. Er konnte nur annehmen, dass der Assistent die Einweisung falsch gelesen hat.

Sie hatten eine Tonne produziert. Eintausend Kilogramm schmuddeligen, schwarzen und teuren Schlamm. Was für Alternativen hat man?

„Wir machen weiter!“ entschied Bertil und ließ die Formen auffüllen.

Während der zwei Wochen, als die Formen im Abkühlungsofen lagen,

überkommt ihn eine große Niedergeschlagenheit.

„Ich wollte nicht einmal den Ofen öffnen. Alles erschien so sinnlos.“

Glas verspeist Licht

Glaskünstler sprechen oft über die Eigenschaft, dass Glase Licht spiegeln und reflektieren kann. Bertil tut das nicht. Es fasziniert ihn mehr, dass Glas die Eigenschaft besitzt Licht zu absorbieren. „Glas verspeist Licht“ ist eine seiner berühmtesten Aussagen. Von den schwarzen Skulpturen wird der Sand runtergewaschen und später poliert.

Das ist der Zeitpunkt, in welchem alle eine Metamorphose erleben.

Der schmuddelige schwarze Asphalt hat sich zu Metall verwandelt.

Zu einem dunklen Blech oder auch Gusseisen. Blei? Eine Spur von Blau.

Das ganze Licht wurde implodiert und es sind keine Figuren oder Symbole erkennbar. Alles wurde anscheinend von einem noch nicht bekannten Material verschlungen. Es ist Glas, jetzt Metall, aber echtes Glas.

„Dadurch wurde ich angespornt! Es war ein ganz neues Design und ich verstand sofort, dass ich weiter machen musste.“

Der Assistent, welcher 20 Gramm für 2 Kilogramm verwendet hatte, triumphierte. Es stellte sich heraus, dass es einer der besten Fehler war.

„Zur gleichen Zeit musste ich mich in ein neues unbekanntes Gebiet wagen“, gibt Bertil zu verstehen.

In den letzten 30 Jahren fühlte er sich mit seinen Skulpturen sehr sicher und nutzte den Vorteil des transparenten Glases aus. Er war in der Lage dieses zu kontrollieren. Er entschied wie und wo das absorbierte Licht erscheinen oder zurückgehalten werden sollte. Nun war er machtlos und musste sich vollkommen umorientieren.

„Es gibt immer ein Risiko, dass die kosmetische Qualität des Glases im Vordergrund steht. Dass es einfach schön sein soll.“

Der versunkende deutsche Zerstörer

Die neue Skulptur hatte nichts Schönes an sich. Die Landschaft ist verlassen und verbrannt wie nach einem Krieg. Das Schiff erinnert Bertil an einen versunkenden Deutschen Zerstörer vom Zweiten Weltkrieg, welcher ganz deutlich im klaren Wasser der Norwegischen Rombacksbotn erkannt werden kann. Die Skulptur der Stadt sieht ein wenig vergast aus oder wie das Opfer einer zerstörerischen Kälte und Hitze. Es ist Dystopie.

„ Als Künstler war ich niemals richtig politisch“, erklärt Bertil.

Als er allerdings die schwarze Skulptur in New York zum Vorschein bringt und die Sammlung als „Desert Snow“ (Wüstenschnee) tituliert, erscheint er äußerst politisch. Die US-Bombardierung auf Irak während des Kuwait Krieg in 1991 trug den Code-Namen „Desert Storm“ (Wüstensturm).

Die Kritiker respektieren Valliens neue Sprache. Die Bewertungen sind enthusiastisch. In manchen Skulpturen bringt er kleine Details heraus, oft ein kräftiges Rot, welche auch trotz ihrer kleinen Größe, sehr stark aus dem Schwarzen hervortreten.

Einige Kritiker interpretieren dieses als einen kleinen Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit.

Der amerikanische Kritiker und Historiker Robert Morgan schreibt über seine Erfahrungen nach der Show:

„Wenn wir von der Erfahrung erwachen, dann realisieren wir, dass wir auf einer Reise waren, welche unsere Sinne auf Hoffnung und Wohlbefinden wiederbelebt hat. Nur die beste Kunst kann dies bewirken. Valliens Kunst verschafft dieses Gefühl.“

Schwedens berühmtester Glas-Künstler hat die meisten Preise gewonnen, welche es zu gewinnen gibt, und wird überall auf der Welt präsentiert. Z.B. im Victoria and Albert Museum in London, im Metropolitan Kunst-Museum in New York, im State Hermitage in St. Petersburg, im National Kunst-Museum in Tokio und im Museum for Fine Art feine in Montreal.

Auch nach 50 Jahren im Glasgeschäft trägt Bertil Vallien sich nicht mit dem Gedanken zurückzuschalten oder sogar aufzuhören.

Bertil wird weiterhin versuchen uns auf neue Reisen mitzunehmen und seine Sprache neu zu entdecken.

"Jetzt werde ich ein Minimalist!“ sagt Bertil. Er wird mit einen Sprung den Fluß beginnen.

By Eva-Pia Worland (translated by Kosta Boda Art Gallery)