Erika Lagerbielke

Zuerst scheint die Welt blau zu sein. Dann wird sie Rot und Grün. Sie kann der Welt jede Farbe geben, die sie möchte. Erika ist vier Jahre alt und sie schaut aus dem Fenster auf die Glasveranda. Es sind die Glassprotten in verschieden Farben, welche sie in ihren Bann ziehen. Sobald sie sich nur ein wenig bewegt, scheint sich die Welt zu verändern. Fast 50 Jahre später ist Erika Lagerbielke immer noch daran interessiert, wie kleine Veränderungen in dem Glas, eine so große Wirkung erzielen können.

Hätte man Erika als Kind befragt, was sie werden wollte, wenn sie älter wurde, dann hätte sie die Frage wahrscheinlich nicht verstanden. Die Mutter war ein Textil-Designer und der Vater ein Graphik-Designer. Somit war es offenbar, dass die ein Künstler werden sollte.

„Was hättest du gemacht? Ich wusste nicht über andere Berufe.“

Sie erhielt eine Ausbildung an der Konstfack Schule (eine schwedische Schule für Kunst, Handwerk und Design), an welcher sie hauptsächlich Industrie-Design studierte.

Nach einem Praktikum bei Orrefors, wurde ihr angeboten zu bleiben.

Sie liebte schon immer das saubere und klassische Design, welches typisch für Orrefors war. Sie bewunderte die Eleganz von früheren Künstlern, wie z.B. Simon Gate and Edward Hald, und den mehr modernen Künstlern wie Nils Landberg und Gunnar Cyren.

Dies ist ein Beweis für ihre funktionelles und Kunstglas Designs. Ihre Vasen und Gral Schalen und überzogenen Technik verarbeiten die zeitlose Eleganz.

Die Zügel kürzer nehmen

Glaskünstler sagen oft, dass Glas ein eigenes Leben hat, welches nicht gezähmt werden kann. Wäre das geschmolzene Glas eine Herde Pferde, dann würden einige Künstler diese loslassen und im freien Galopp freilassen.

Andere wiederherum würden ein besonderes Auge auf die Herde haben, würden gelegentliche Streuner jedoch akzeptieren. Erika Lagerbielke hält die Pferde an kurzen Zügeln und lässt diese eine Dressur machen.

„Glas Partisanen denken wahrscheinlich, dass ich der wahrscheinlichste anspruchsvollste Künstler bin, mit welchem sie je zusammengearbeitet haben. Allerdings muss alles in bester Ordnung sein, wenn man mit Einfachheit arbeitet.“

„Ich kann mich in jemanden verlieben, der versteht, wie ich es haben möchte.“

Das Tablett Divine, welches sie für die Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria und ihrem Mann Daniel entwarf, sollte 6,5 Millimeter dünne Stiele haben. Genau. Nicht mehr und nicht weniger. Erika Lagerbielke wird oft als die Königin der Tisch-Glasware bezeichnet, da sie in der Lage ist Glas zu entwerfen, welches eine große Audienz anzieht und für viele Jahrzehnte populär bleibt. Schönheit und Funktion. Ein gutes Beispiel dafür ist die Intermezzo Serie, das Glas mit dem zauberhaften Kobalt blauen Tropfen im Stiel. Die Produktion begann vor 30 Jahre und es ist immer noch ein Kassenschlager. Allerdings wäre es anders gekommen, wenn der verantwortliche Glasbläser nicht so dickköpfig gewesen wäre und sich genau an die Anweisungen gehalten hätte, dann wäre es niemals verwirklicht worden.

Erika war von einem antiken Glas aus dem 17. Jahrhundert sehr angetan, bei welchem der Kelch mit einer eingeschlossenen blauen Blase im Stiel abschloss. Sie wollte es ausprobieren und mit der Erfahrung der Glasarbeiter, waren sie in der Lage ein Glas mit einer Blase zu erzeugen. Allerdings konnte ein Freund die Blase kaum erkennen, als Erika das Glas stolz präsentierte. Offensichtlich war es nicht so klar für Andere, als es für Erika war. Wenn ich der Blase Farbe gebe, dann würde sie sichtbar werden. Einer der Handwerker wurde sehr aufgeregt und wollte es sofort ausprobieren.

Es schien nicht ganz einfach zu sein, aber er wollte nicht aufgeben. Als ein Vorgesetzter von diesen Versuchen Wind bekam, wollte er dieses einstellen.

„Es ist einfach nicht möglich. Nichts wird dabei herauskommen“, sagte er. „Es ist zu viel technische Entwicklung notwendig.“

Geheimes Projekt

Die Geschichte von Intermezzo hätte hier enden können, wenn der Glasbläser nicht weiterhin seinen Kopf durchsetzen wollte und nicht auf den Vorgesetzten hörte. Am Abend und an den Wochenenden schlich er heimlich zu der Glashütte.

„Zudem hatte er den brennenden Wunsch neue Dinge in der Glasarbeit zu entwickeln und war immer für neue Ideen offen“, berichtet Erika.

Das Projekt wurde heimlich über mehrere Monate hin fortgesetzt, sobald die Glashütte verlassen zur Verfügung stand.

Schließlich, an einem Abend, mit der Hilfe eines neuen hergestellten Werkzeuges, stand dort plötzlich ein Weinglas mit einer graziösen blauen Luftblase im Stiel. Vorsichtig packte er das Glas in eine alte Einkaufstasche und ging nach Hause. Er war erfolgreich!

Einen Tag später zeigte er dem Geschäftsführer das „verbotene Glas“ und dieser wurde sehr enthusiastisch. Auf der Stelle entschied dieser, dass das Glas in Produktion gehen sollte. Intermezzo wurde ein großer Erfolg und heutzutage kann der Tropfen auch in Schwarz und Weiß gefunden werden.

Erika sagte oft: „Alles was ich über Glas weiß, befindet sich in diesem Tropfen. Dieser hat mich gelehrt, dass es möglich ist, Dinge zu tun, welche man vorher nicht für möglich gehalten hat. Grenzen zu überschreiten.“

Für Erika außerdem ein Beispiel dafür, was erreicht werden kann, wenn jeder dahinter steht und seine Komfortzone mal überschreitet.

Trocken in Bier schwimmen

„Ich weiß nun, dass, es kann nicht getan werden, eigentlich bedeutet, dass es niemals vorher gemacht worden ist.“

Erika Lagerbielke ist durch die Analyse der Verbraucher stimuliert, denkt aber auch, dass industrielles Design viel mehr ist, als nur Zweckmäßigkeit.

„Da steckt mehr hinter der bloßen Braubarkeit. Ich möchte ein Glas, welches alle Sinne befriedigt.“

Mit der Hilfe von erfahrenden Bier- und Weinliebhabern, konnte Erika entdecken, wie Gläser aussehen sollten, um das Aroma und den Geschmack zu verbessern. Ein Bierglas ist nicht einfach ein Bierglas. Um so mehr sie nachforschte, um so mehr Blödsinn fand sie. Für viele Jahre hat sie probiert und gerochen und wieder probiert.

„Eigentlich könnte ich schon in Bier schwimmen.“

Das Interesse an Bier ist in den letzten Jahren gewaltig angestiegen und Biertrinker Wünsche sind mehr kultivierter bekommen. Dies bringt neue Herausforderungen mit sich und Erika sieht es als ihre Pflicht an, diesen Bedarf durch neue Designs von verschiedenen Gläsern für verschiedene Biersorten zu befriedigen.

Ein helles Starkbier (z.B. Indian pale ale) sollte nicht in demselben Glas, wie ein Pils oder ein Bier vom Fass serviert werden.

Das Biertester-Glas ist speziell für ein „Indian pale ale“ entworfen. Es hat die typische Test-Glas-Form, welche nicht sehr groß ist, da das Bier oft sehr geschmackvoll ist und zudem einen hohen Alkoholanteil hat. Eine runde Form erhöht zudem vollen Geschmack.

Eine gerade Öffnung, sodass sich das Hefearoma entfalten kann, da Ale eine Art Altbier ist.

Ein Fassbier ist am besten in einem Fass Bierglas serviert. Es ist ein großes tütenartiges Glas, welche sich nach innen wölbt, um den blumigen Hopfengeschmack zu erhalten.

Die Gläser sollten natürlich auch ansprechend, interessant und umgänglich wirken. Sie sollten Balance haben.

Auch wenn Erika Lagerbielke eine starke Leidenschaft für industrielle Designs hat, ist sie weiterhin bemüht, Kunden ihre Wünsche zu erfüllen.

Kunstglas bereichert sie ungemein.

„Es fühlt sich dann so an, als ob ich tun kann, was ich will und mich ausdrücken kann. Einfach mal die andere Gehirnhälfte benutzen. Ich brauche dann nicht so viel zu analysieren.“

Sie arbeitet dann mehr instinktiv und versucht den Bewegungen des Glases zu folgen.

„Ich liebe es, wenn alles so läuft, wie ich es haben will, aber manchmal ist es bis dahin ein sehr langer Weg und benötigt unterschiedliche Prozesse.“

Heute ist Erika Lagerbielke Professor für Glas-Design und unterrichtet, neben vielen anderen Dingen, Line Design an der Linné Universität in Växjö, Schweden.

By Eva-Pia Worland (translated by Kosta Boda Art Gallery)