Kjell Engman

Am Boden vor dem Berg kauern Engel aus Glas. Die mystische Gestalt brennt in Rot und Orange. Sie scheint sich zu bewegen. Der Teufel lauert in einer Ecke. Sein großer Körper erhebt sich von der Decke der Höhle.

Mystische Musik und Klänge transportieren den Besucher in eine andere Welt. Kjell Engmans Welt. Seine Ausstellungen sind keine gewöhnlichen Ausstellungen. Sie sind wunderbare Auftritte.

Es ist eine Geschichte von Gut und Böse. Von Himmel und Erde. Allerdings könnte es auch von einer durchtanzten Nacht in der berühmten Schwedischen Brunnsparken Tanzbar in den Sechziger handelt.

Außerdem könnten es auch Yuppies aus den 80ziger Jahren sein, welche heutzutage alt und glatzköpfig wären. Musik, Licht und das Design erlauben den Glasskulpturen ihre Geschichte zu erzählen.

Der Direktors Name ist Kjell Engman. Wie ein Musiker, Lichttechniker, Kulissen-Designer und Glaskünstler. Er ist ein Multitalent, welches Höhen und Tiefen genauso mischt, wie er möchte. Gigantische Glaskleider, Sachen, Gesichter, Fische, Vögel, Gitarren, Jesus und hochhackige Schuhe. Mystische Gestalten, Afrikanische Stammesführer und spionierende Raben. Was immer man sich vorstellen kann.

Vorzugweise dunkel und schmuddelig

In Kjell Engmans Welt auf Einflüssen ist überall. Genauso sind die Abbildungen.

„In einem Schachtdeckel oder in einen Riss in der Wand. Irgendetwas. Ich denke, dass ich mehr Eindrücke als eine durchschnittliche Person habe. Die Dramaturgie beginnt im Kopf.“

Neulich war Kjell in einem alten verlassenen Schuppen. Für eine Weile stand er draußen und schaute durch die kleinen Fenster. Plötzlich erscheinen drinnen Personen. Eine Familie mit elf Kindern. Der Raum erfüllt sich mit Leben und vielen anderen Details. Ein getragener Mantel an einem Harken. Ein Hut. Ein paar Zierteller an der Wand. Eine Hand, welche die Kinder füttert. Er sah alles genau vor sich. Die Ideen flossen.

„Es ist sehr frustrierend, wenn man nicht alles genau realisieren kann.“

Er berührt seine Brust als Geste, dass es vom Inneren kommt. Kjell Engmans Arbeitsweise erinnert an eine Film – oder Theaterproduktion.

Von einer inneren Dramaturgie entsteht ein Drehbuch. Verschiedene Szenen inszenieren und mit Lichteffekten die verschiedenen Charaktere hervorbringen.

Die Szenen sind wichtig und er mag dunkle, schmuddelige Orte.

Kjell hat bereits Vorstellungen in selbst gemachten Höhlen, einem Kraftwerk, Malmös Tabakfabrik und einer alten verlassenen Schuhfabrik in Örebro, einer kleinen Stadt im Herzen von Schweden, zusammen gestellt.

Er hatte eine Ausstellung in einem 32 Meter hohen Dachstuhl in einer Malzfabrik in Ebeltoft, Dänemark. Er versucht zudem Dinge aus der Geschichte und Charakter mit einzubeziehen, welche in Verbindung mit den Inszenierungs-Plätzen stehen.

Becken werden zum heulenden Wolf

Er schreibt die elektronische Musik mit rätselhaften Geräuscheffekten selbst, in seinem Studio auf Öland, einer Insel vor der Ostküste Schwedens. Er ist sehr wählerisch und sucht ständig nach dem perfekten Sound. Die Musik und Vorstellungen müssen vollständig schmeichelhaft miteinander harmonieren.

„Wenn ich mir einen Film ansehe, verwirrt es mich immer, weil die Musik und die Bilder nicht zueinander passen“, sagt er.

In einer besonderen Show wollte er unbedingt heulende Wölfe haben. Allerdings brachten die gekauften Geräusche, nicht den gewünschten Gruseleffekt hervor. Er experimentierte herum und fand heraus, dass er den perfekten Sound erzeugen konnte, wenn er Becken zusammenschlug und sie dann in Wasser tauchte würde. Er nahm das Geräusch in Highspeed auf und spielte es dann rückwärts ab. Das heulende Geräusch ließ ihm die Haare zu Berge stehen.

Musik spielte schon immer für Kjell Engman eine große Rolle. Sein Vater war ein Musiker, ein typischer Jazz-Musiker, welcher die meisten Instrumente spielen konnte. Als er jedoch Vater und ein richtiger Familienmensch wurde, gab er die Musik auf und wurde ein Barber.

Anfang der Sechziger kam dann die Pop-Musik und Kjell spielte Bassgitarre in einer Gruppe in Örebro, namens The Merchants. Sie hatten ein wenig Erfolg und wurden sogar Dritte in einem Pop-Band-Wettbewerb, welcher vom Schwedischen Radio organisiert wurde.

Grauenvoller Verkäufer

„Ich lebte ein Doppelleben“, erinnert er sich. „Wie Doktor Jekyll und Mr. Hyde. Während des Tages ging ich als Verkäufer zur Arbeit. Geschniegelt und gebügelt in einem Anzug mit Krawatte. Ich war ein schlechter Verkäufer. Ich konnte nicht vor Kunden stehen und diesen erzählen, dass unsere Schreibmaschine die Beste war, wenn ich doch wusste, das die von IBM viel besser war.“

Nach der Arbeit würde er sein Haar zerzausen und sich in ein Paar alte Jeans stürzen. Der hoffnungslose Verkäufer verwandelte sich in einen Popstar. Sein kleiner Bruder Bengt spielte die Gitarre und sang.

„Ich brachte ihm drei Akkorde bei und schon bald war besser als ich. Er war unglaublich talentiert. Allerdings war er auch fanatisch. Er übte Tonleitern und so weiter. Ich hatte nicht den Willen dazu. Ich wollte es gleich können. Hatte einfach nicht die Motivation weiterzumachen und zu üben.“

„Zum Beispiel habe ich mein Schwimmabzeichen gemacht und hatte dabei immer einen Fuß auf dem Beckenboden“, sagt Kjell.

Er trat zudem als Gast für The Whisperings auf, welche ein Orchester waren, die Big-Band Jazz Musik spielten.

Aber es gab ein Problem. Kjell mochte sich leider nicht an die Regeln halten und man verlangte von ihm jede Note, wie vorgeschrieben zu spielen.

„Ich wollte kleine Schnörkel mit der Bass-Gitarre. So wie ich wollte. Das war leider nicht erwünscht und somit war der Gastauftritt nur von kurzer Zeit.“

„Die Freiheit, nach welcher ich suchte, konnte ich dort nicht finden“, sagt er.

Der Gnom war der Schlimmste

Das Fehlen von Geduld und die damit verbundene Schwierigkeit Regeln einzuhalten und zu lernen, stammen aus seiner Schulzeit. Kjell ist Legastheniker. In den 50er Jahren wusste man kaum etwas über diese Lernbehinderung.

Wenn er Fehler machte, schlug ihm der Lehrer mit einem harten und angebrochenen Lineal über die Finger. Dies war auch der Fall, wenn er unruhig wurde und nicht mehr still sitzen konnte. Wenn jemand es schwer hatte zu lesen, dann wurde dieser jemand als faul, dumm oder Tölpel bezeichnet.

Das Lineal war somit betrachtet ein gutes Strafmittel.

„Der schlimmste Lehrer von allen hatte den Spitznamen „der Gnom“, weil er so klein war. Wenn er einen Schüler am Ohr ziehen wollte, musste er, zur Treppe gehen, wo er sich auf die zweite Stufe stellen musste, um dazu in der Lage zu sein.“

„In der Schule waren meine Gedanke immer irgendwo anders“, sagt Kjell, „Ich schwänzte oft die Schule und ich interessierte mich nicht für langweilige Sachen.

Allerdings war ich gut in Zeichnen, Musik und Mathe. Meine Mutter dachte, dass ich ein Kunstlehrer werden würde.“

Er wurde an der Konsfakt, Schwedens größter Schule für Kunst, Handwerk und Design, aufgenommen und absolvierte ein einjähriges Praktikum bei Kosta Boda.

„Das war etwas ganz Neues für mich. Ich war über die Offenheit so aufgeregt und entschied mich sofort. Ich wollte meine eigenen Glasarbeiten haben und ein großer Künstler werden, der eine Baskenmütze trug.

Während eines Freistellungssemester in Åfors, traf er auf Bertil Vallien (welcher schon seine eigenen Glasarbeiten hatte, ein großer Künstler war und bereits eine Baskenmütze trug). Es gab nicht viel Arbeit zu tun und somit bat er den Geschäftsführer Erik Rosén, um ein paar Aufgaben.

„Ja, du kannst etwas mit klarem Glas machen. Etwas Schwedisches und populäres“, empfahl Rosén.

So erschien Rapsodi. Eine Schale, aus etwas dickeren Glas hergestellt, welche eine Mitsommernachts-Stange und ein tanzendes Paar zeigt.

Die Einheimischen sprechen oft von der Schweden-Schale. Kjell Engmans erstes Produkt verkaufte sich für mehr als 24 Millionen Schwedische Kronen (ca. 2.7 Millionen Euro) und kurzdarauf wurde ihm ein Job bei Kosta Boda angeboten.

Dort fand er etwas von dem Frieden, nachdem er so lange suchte.

Träume vom schmelzenden Eis

„Es gibt ein Maß von Freiheit, welches von Verantwortung kommt. Natürlich müssen auch Sachen für den Verkauf hergestellt werden. Selbstverständlich müssen auch Design-Regeln eingehalten werden, aber diese sind da, um auch gebrochen zu werden.“

„Ein Traumobjekt ist dafür da, um geschaffen zu werden.“

Er stellt sich eine Eis-Skulptur im berühmten Eis-Hotel in Jakkasjärvi, im Norden von Schweden, vor. Der Fokus liegt bei schmelzenden Eis und nicht auf einer soliden Struktur.

„Ich würde gerne einige Objekte einschmelzen, welche dann zum Vorschein kommen würden sobald das Eis schmilzt.“

Allerdings gibt es auch Konsequenzen, welche ständig aufreibende neue Ideen mit sich bringen. Kjell Engman hatte bereits drei Herzinfarkte.

Es sollte ein wenig runterschalten. Er weiß wo er die nötige Ruhe findet.

„Ich gehe zum Meer runter und wenn die Orchideen in voller Blüte stehen leuchtet es überall in lila Farben, den ganzen Weg über die Alvaret (offene Sandstein-Ebene auf der Insel Öland, Schweden).“

By Eva-Pia Worland (translated by Kosta Boda Art Gallery)